Wandern auf dem Ahrsteig – da lief so alles schief was schief laufen kann

Ich hatte langes Wochenende, Zeit mal wieder eine längere Wanderung zu machen.
So kam ich auf die Idee den Ahrsteig zu wandern. 104 km, wenn Möglich in 2 Tagen.

Den Track habe ich mir auf die Fenix geladen und am Samstag morgen um 4 Uhr bin ich dann losgefahren.
Mit dabei Proviant für 2 Tage, denn aus Erfahrung weiß ich ja, das es in der Gegend schwer möglich sein wird, einzukaufen.
Mit dem Auto ging es dann nach Sinzig, von dort weiter mit dem Zug nach Blankenheim (Wald).
Zum Glück stand dort gerade ein Bus, so das ich mir die 5 km Wegstrecke vom Bahnhof nach Blankenheim sparen konnte.
Am Busbahnhof startete ich dann die Wanderung.

Ich war überrascht wie schön Blankenburg ist. Ein malerisches Dorf mit Fachwerkhäusern. Dort gibt es auch das Eifelmuseum.
Die ersten Kilometer sind wirklich schön. Es geht ein wenig durch das Dorf (oder ist es eine Kleinstadt), kurz einem Radweg entlang und nachdem man in den Wald abgebogen ist, erwartete mich ein traumhaft schöner Pfad durch den Wald.
Leider ändert sich dieses jedoch schnell und man befindet sich auf Forststraßen.
Ab dem Freilinger See befindet man sich in offenem Gelände. In praller Sonne geht es unter anderem über asphaltierte Radwege, Schotterwege und Nebenstraßen.
Ab da habe ich auch erst einmal keine Fotos gemacht. Die Wege sind nicht wirklich zu präsentieren.

Wie viele ja wissen bin ich Diabetiker. Und ich trage das Dexcom System um meinen Blutzucker zu überwachen. Und dieser Sensor hat sich dann mal eben verabschiedet. Statt einem Blutzuckerwert zeigt die App an ich sollte einen neuen Sensor setzen. Mitten in der Pampa.
Ganz klasse. Da blieb mir nur den vorhandenen Sensor noch einmal neu zu starten und zu Kalibrieren.

Kostet alles Zeit und Nerven und 2 Stunden lang hat man keinen aktuellen BZ-Wert. egal, weiter ging es trotzdem.

Leider besserten sich die Wege in keiner Weise. Einmal war noch ein kurzes Teilstück, was an einen Steig erinnerte. Ansonsten nur Forststraßen, aber immerhin jetzt etwas mehr im Wald.
Dadurch das ich durch die Probleme mit dem Blutzuckersystem sehr viel Zeit verloren hatte, hing ich natürlich in meinem Zeitplan zurück. Die geplanten 50 km am ersten Tag rückten in unerreichbare Ferne.
Ich studierte den Routenplaner im Internet und sah das bei Schuld Schutzhütten zu finden sein sollten. Also musste ich bis dort hin.

Die letzten 4 km vor Schuld war der Weg auf einmal auch richtig schön. So wie man sich einen Steig wünscht. Schmale Pfade, bergauf und bergab, zum Teil am Steilhang entlang.
Kurz vor Schuld suchte ich dann die Schutzhütten. Sollten diese nicht zu finden sein, hätte ich echt ein Problem, denn für die Nacht waren Gewitter gemeldet.

Die erste die ich fand war nicht optimal. Direkt am Steilhang der Stadt war sie freistehend. Zudem war die Hütte rundum offen. Also für mich ist sowas ein Pavillon aber keine Schutzhütte die einen vor Unwetter schützen soll.
Egal, die zweite Hütte gesucht. Unweit der ersten habe ich diese dann auch gefunden.
Gleiche Bauart, aber etwas geschützter stehend, fast auf dem Gipfel.
Auch das wenig optimal, auch wegen der drohenden Unwetter.
Aber da musste ich jetzt mit klar kommen.

Auf dem Boden liegend zu schlafen konnte ich vergessen. Aufgrund der Lage der Hütte wäre der Boden sofort voll Wasser gelaufen bei Regen.
Die schmale Bank musste herhalten.Nachtlager aufgebaut, Essen gekocht, alles was nicht gebraucht wurde im Rucksack verpackt und diesen regensicher aufgehängt.

Kaum war ich eingeschlafen zog das erste Gewitter auf. Und was für eins. Ein Blitz folgte dem nächsten. Aber zunächst nur wenig Regen. ein mulmiges Gefühl hatte ich aber doch so am Berg im Gewitter.
Ich schlief dann aber dennoch wieder ein. Aber nicht lange. Um 1 Uhr Nachts wurde ich vom Regen und den nächsten Gewittern geweckt. Zudem Zug Wind auf so das der Regen bis in die „Schutzhütte“ getragen wurde.
Mein Plan sich vor eventuellem Regen mit der Rettungsdecke zu schützen misslang vollkommen. Die Decke die ich dabei hatte löste sich beim auspacken in viele Einzelteile auf. Innerhalb von Minuten war mein Schlafsack pitschnass.
Ich zog noch schnell die Regenjacke an und versuchte mich so gut es ging in einer Ecke der Hütte vor dem Regen zu schützen.
Nach einer Stunde war das Gewitter durchgezogen und alles was ich dabei hatte vollkommen durchnässt.
Kachelmann Wetter zeigte später an das es in dem Landkreis 3.500 Blitze in einer Stunde waren. Ein wahres Feuerwerk.
Ich versuchte nun noch ein wenig zu schlafen. Ohne Schlafsack und nur notdürftig mit der Isomatte zugedeckt war das aber wenig von Erfolg gekrönt. Um 4:30 Uhr war mir dann so kalt, das ich jeglichen Versuch zu schlafen abgebrochen habe und mir erst einmal einen Kaffe machte. Damit war die Nacht vorbei.

Gegen 6:30 Uhr machte ich mich dann auf den weiteren Weg. Ziemlich übermüdet und gar nicht regeneriert.
Dementsprechend schleppend kam ich voran. Dabei waren die ersten Kilometer wieder genau nach meinem Geschmack. Leicht alpines Gelände, schmale Pfade, echt toll die Gegend direkt um Schuld herum.
Aber leider änderte sich dann auch wieder und Forstwege bestimmten den weiteren Wegverlauf.
So sank meine Motivation dann doch zusehends.
Zuerst hatte ich dann noch Altenahr als Ziel. Aber auch das habe ich verworfen und als ich in Liers angekommen bin, beschloss ich den Ahrsteig zu verlassen und den kürzesten Weg nach Ahrbrück zu nehmen. Ich hatte echt keine Lust mehr und alles weitere wäre nur Quälerei gewesen.
In Ahrbrück nahm ich dann den ersten Zug zurück nach Sinzig und das Abenteuer Ahrsteig war erst einmal erledigt.

Fazit:
Geplant war ja den Ahrsteig nach Möglichkeit komplett zu laufen. Daher hatte ich jetzt auch wenig Aufmerksamkeit darauf gelegt den Steig für einen Wanderbericht aufwendig zu dokumentieren. Daher gibt es auch wenig Fotos und kein Video der Wanderung.
Der Ahrsteig selbst war jetzt zunächst enttäuschend für mich. ich kenne ja Teilstücke davon von meinem Wanderungen um Altenahr und der Begriff Steig suggerierte dann doch mehr Pfade und alpine Teilstücke als auf den 50 km die ich an den beiden Tagen gelaufen bin.
Für meinen Geschmack waren zu viele Forststraßen vorhanden und auch die Passagen die über offenes Gelände führten über Schotterwege und Radwege waren jetzt nicht wirklich schön zu wandern.
Landschaftlich ist die Gegend wirklich toll, daran gibt es nichts zu rütteln.

Was mich auch wundert sind die nicht vorhandenen Schutzhütten. Die beiden in Schuld waren die einzigen die mir aufgefallen sind. Da erwartet man auf einem solchen, überregional beworbenen Wanderweg dann doch mehr.

Die 57 km die ich gewandert bin waren natürlich viel weniger als ich mir vorgenommen hatte. Ohne die Probleme mit dem Blutzuckersystem und den Gewittern in der Nacht wäre ich durchaus in der Lage gewesen den Ahrsteig komplett zu wandern, wohl nicht in 2 Tagen, aber am Montag hätte ich die restlichen Kilometer nachholen können.
Nicht desto trotz zeigte mir diese Wanderung dann aber doch, das ich bei weitem konditionell nicht da bin wo ich gerne wäre.
Demnach stehen in den nächsten Wochen jetzt erstmal Training an bevor ich die nächste Langdistanz Wanderung auf mich nehme.
Wer Interesse hat, kann auf sugarrunner.com das kommende Training nachlesen.

Hier noch die GPS Daten auch als Download und einige Bilder der Strecke die ich gelaufen bin.


Download “Ahrsteig_Blankenheim_bis_Schuld.gpx” Ahrsteig_Blankenheim_bis_Schuld.gpx – 8-mal heruntergeladen – 3 MB


Download “Ahrsteig_Schuld_bis_Ahrbr_ck.gpx” Ahrsteig_Schuld_bis_Ahrbr_ck.gpx – 5-mal heruntergeladen – 2 MB

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